Johann Weißheimer II. (1797-1883)
Steinmüller und Gutsbesitzer
Johann Weissheimer II. wurde am 25. Oktober 1797 in der Steinmühle geboren. Nach der Brandkatastrophe von 1813 und dem geglückten Neubeginn in der Steinmühle übernahm er im Alter von 24 Jahren den Betrieb von seinem Vater, Johann Weissheimer I. Kurz zuvor feierte er seine Hochzeit mit Ottilia Best, der Tochter des Osthofer Schwanenwirts und künftigen Bürgermeisters Wendelin Best. Es gelang ihm die Steinmühle und die dazugehörigen Güter in das Eigentum seiner Familie zu überführen. Durch den sukzessiven Erwerb von Feldern und Weinberg avancierte die Steinmühle zu einem der bedeutendsten Betriebe Rheinhessens. Durch den Bau des großen Weinkellers unter dem Eulenberg legte er bereits in den 1820er Jahren den Grundstein für das heutige Qualitätsweingut.
Politiker
Im Jahre 1831 trat Johann Weißheimer II. schließlich die Nachfolge seines Schwiegervaters Wendelin Best als Bürgermeister von Osthofen an. In zwei Legislaturperioden bewirkte zahlreiche Modernisierungen in Infrastruktur und Verwaltung. In Krisenzeiten richtete er einen Armenfond ein, um der herrschenden Hungersnot ein Ende zu machen. Zu seinen zahlreichen Kompentenzen gehörte auch die Festlegung des Beginns der Traubenlese und die Organistation der Wingertsbewachung durch Wingertsschützen. Bezogen auf den Weinbau ist es Johann Weißheimer II. zu verdanken, dass sich Osthofen bereits in den 1830er Jahren am Qualitätsweinbau orientierte. Seine "neue Weinbergsordnung" aus dem Jahre 1834 belegt sein frühes Engagement für die Qualitätsverbesserung im Weinbau.
Politisch engagierte er sich nochmals während der 1848/49er Revolution und vertrat die fortschrittlichen Ideen von Einheit und Freiheit als demokratischer Abgeordneter der ersten Ständekammer des Großherzogtum Hessens in Darmstadt. Zu dieser Zeit war Johann Weißheimer II. der höchstbesteuerste Gutsbesitzer in Rheinhessen und zählte zu den einflussreichsten Männern der ganzen linksrheinischen Provinz.
Chronist und Zeitzeuge
Johann Weißheimer II. machte sich nicht nur in der lokalen bzw. regionale Politik verdient, zwei seiner bedeutendsten Leistungen liegen auf kulturellen Gebiet. So ermöglicht uns seine mehr als 2000 Seiten starke Chronik über Osthofen eine Rekonstruktion der Entwicklung Oshofens vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Seine umfangreichen Tagebücher erzählen knapp 80 Jahre seines Lebens und dokumentieren darüber hinaus wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und klimatische Verhältnisse. Sie sind zu den bedeutendsten Primärquellen der Osthofer wie auch der rheinhessischen Geschichte des 19. Jahrhunderts zu rechnen. Chronik und Tagebücher erfahren derzeit eine wissenschaftliche Aufarbeitung.
Förderer Richard Wagners
Anfang der 1860er Jahre fungierte Johann Weissheimer II. mehrmals als "Retter in der Not" für Richard Wagner, den späterhin so prominenten Freund seines Sohnes Wendelin. Durch seine finanziellen Zuwendungen ermöglichte er es Wagner, den ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Exil auf deutschem Boden. Aus Dankbarkeit und um seinen erkrankten Freund Wendelin wieder aufzurichten besuchte Wagner im Sommer zweimal 1862 die Steinmühle.
