Von der Adelsmühle zum Qualitätsweingut
Über 500 Jahre besaß der ortsansässige bzw. regionale Adel die im 13. Jahrhundert am Ufer des Seebachs erbaute Mühle. Im mittelalterlichen Osthofen nannte man sie daher oft "der Herren Mühle" oder "Herrenmühle". Der heutige Name "Steinmühle" leitet sich von der Familie Steinmüller ab, an welche das Gut und die Mühle um die Mitte des 16. Jahrhunderts verpachtet wurde. Im 30-jährigen Krieg (1621) wurde Osthofen entvölkert und die Steinmühle fast völlig zerstört. In der Folge brachten Missernten, Pestepidemien und erneute Kriegslast
en die Familie Steinmüller und ihre Nachfolger immer wieder an den Ruin. Erst nachdem unsere Vorfahren aus der Familie Keller, im Volksmund wegen ihrer zahlreichen Mühlen als "Bachbarone" bekannt, den Freiherr von Dalberg im Jahre 1737 davon überzeugen konnten ihnen Gut und Mühle in erbliche Pacht zu geben, brachen wieder bessere Zeiten in der Steinmühle an. 1791 übernahm Johann Weißheimer I. als Enkel des letzten "Bachbarons" das Erbe seiner Vorfahren in der Steinmühle. Einen Tag nach seiner Heirat mit Margaretha Dechen (1792) begann die Belagerung der Steinmühle durch die napoleonische Armee.
1813 wurde die Steinmühle nach der Brandtsiftung durch französische Soldaten ein Raub der Flammen. Nachdem Wiederaufbau übernahm Anfang der 1820er Jahre der tratkräftige Sohn Johann Weißheimer II. nun die Regie. Es gelang ihm die Steinmühle in den Privatbesitz seiner Familie zu überführen und einige der wertvollsten Weinbergslagen in Osthofen zu erwerben. 1823 legte er mit dem Bau des Gewölbekellers unter dem Eulenberg den Grundstein für die Weiterentwicklung der Steinmühle zum ambitionierten Qualitätsweingut. Als Osthofener Bürgermeister und höchstbesteuerter Gutsbesitzer Rheinhessens konnte er auch seinen kulturellen Interessen nachgehen und die bis heute umfangreichste Chronik der Osthofener Geschichte verfassen. In der Literatur wurde Johann Weißheimer II. vor allem als Förderer seines jüngsten Sohnes, des Komponisten Wendelin Weißheimer und dessen berühmten Freundes, Richard Wagner, bekannt. Aus Dankbarkeit und um ihm "einmal persönlich die Hand zu drücken", besuchte Wagner im Sommer 1862 die Steinmühle. Im idyllischen Garten neben dem Seebach servierte man die besten Weine aus dem Keller, die Wagner wenig später mit Hans von Bülow und dessen Frau Cosima, der damaligen Geliebten Richard Wagners, wiederkehren ließen.
Die Söhne Johann Weißheimers II. Gustav und Julius sowie insbesondere sein Enkel Cornelius Weißheimer erweiterten das Weingeschäft und modernisierten Mühle und Landwirtschaft grundlegend. Ein Jahr nach dem frühen Tod von Cornelius Weißheimer brach 1914 der erste Weltkrieg aus. Die nachfolgende Inflation und die Bombardements des zweiten Weltkriegs überstand man in der Steinmühle unter großen Entbehrungen.
In den 1950er Jahren musste der Mühlenbetrieb im Zuge des großen "Mühlensterbens" schließlich eingestellt werden. Irmgard May-Weißheimer und Erich May intensivierten fortan Landwirtschaft und Weinbau. Ihre Söhne Hans Friedrich und Wolfgang May übernahmen 1986 die Steinmühle und setzen seitdem in Wein- und Ackerbau ebenso beständig auf Qualitätsoptimierung. Mit Axel May steht nun die junge Generation bereit, um die Steinmühle als ambitioniertes Qualitätsweingut in die Zukunft zu führen.